Rookie bis Fortgeschritten · zum Anklicken

Pneumatikplan lesen.
Kästchen, Pfeile, Zahlen – entschlüsselt.

Ein Pneumatikplan sieht zuerst aus wie ein Rätsel aus Kästchen und Pfeilen. Wenn du die wenigen Regeln kennst, liest du ihn wie eine Geschichte: von der Druckluft unten bis zum Zylinder oben. Die Pläne hier kannst du bedienen – blau steht unter Druck, laufende Punkte zeigen Zuluft (mint) und Abluft (hellblau).

Meine Favoriten

1Aufbau: von unten nach oben

Pneumatikpläne folgen dem Weg der Energie: unten die Druckluftversorgung, darüber die Signalglieder (Taster, Rollenventile), bei Bedarf die Verarbeitungsglieder (UND- und ODER-Ventile), dann die Stellglieder (Wegeventile, die den Zylinder steuern) und ganz oben die Arbeitsglieder (Zylinder, Motoren). Drosselrückschlagventile werden direkt beim Zylinder eingezeichnet.

Alle Ventile sind in der Ausgangsstellung gezeichnet – so, wie die Anlage betriebsbereit vor dem Start steht. Wird ein Rollenventil in dieser Lage schon vom Zylinder gedrückt, ist es deshalb betätigt gezeichnet.

Probier es: Tippe auf eine Ebene oder drück kurz Start. Der Zylinder fährt aus, betätigt vorne das Rollenventil 1S2 – und fährt von selbst zurück. Hältst du 1S1 gedrückt, bleibt er vorn: Dann liegt an 14 und 12 gleichzeitig ein Signal an, und das Impulsventil bleibt in seiner Stellung (Signalüberschneidung).

2Wegeventile lesen: Kästchen sind Stellungen

▶ 3D-Animation: 5/2-Wegeventil und doppeltwirkender Zylinder – Schritt für Schritt

  • Jedes Kästchen ist eine Schaltstellung. Zwei Kästchen = zwei Stellungen.
  • Die Leitungen hängen am Kästchen der Ausgangsstellung. Wird das Ventil betätigt, stell dir vor, das andere Kästchen schiebt sich unter die Anschlüsse.
  • Pfeile zeigen den Weg der Luft, ein T sperrt den Anschluss.
  • Der Name zählt zuerst die Anschlüsse, dann die Stellungen: 3/2-Wegeventil, 5/2-Wegeventil.
  • Anschlussnummern: 1 = Druckluft, 2 und 4 = Arbeitsleitungen, 3 und 5 = Entlüftung, 12 und 14 = Steueranschlüsse: Ein Signal an 12 verbindet 1 mit 2, ein Signal an 14 verbindet 1 mit 4.

Kurz geprüft

3Betätigungsarten: Wer schaltet das Ventil?

▶ 3D-Animation: Wegeventile auswählen – 3/2, 5/2 und 5/3 mit allen Betätigungen – Schritt für Schritt

Links und rechts am Ventil steht, wodurch es schaltet. Die Betätigung zeigt immer zu dem Kästchen, das sie herbeiführt. Eine Feder rechts heißt: Ohne Betätigung springt das Ventil in die rechte Stellung zurück. Haben beide Seiten Druckluftbetätigung und keine Feder, bleibt das Ventil in der zuletzt geschalteten Stellung (Impulsventil, „Gedächtnis“). Eine Raste hält ein von Hand betätigtes Ventil in seiner Stellung fest.

4Zylinder: einfach- und doppeltwirkend

Der einfachwirkende Zylinder hat einen Druckluftanschluss; zurück fährt er mit der eingebauten Feder. Dafür reicht ein 3/2-Wegeventil. Der doppeltwirkende Zylinder hat zwei Anschlüsse und wird in beide Richtungen mit Druckluft bewegt – meist mit einem 5/2-Wegeventil.

5Geschwindigkeit einstellen: das Drosselrückschlagventil

Eine Drossel verengt den Querschnitt. Das Rückschlagventil daneben lässt die Luft in Gegenrichtung frei durch. In der Praxis wird bei doppeltwirkenden Zylindern meist die Abluft gedrosselt: Der Kolben ist dann zwischen Druckluft und gestauter Abluft „eingespannt“ und läuft gleichmäßiger.

Lernmodell: Die Zeiten sind vereinfacht. In echt hängen sie auch von Last, Druck, Schlauchlänge und Zylindergröße ab.

6Kennzeichnung: 1A1, 1V1, 1S1

KennzeichenBedeutung
0Z1Gruppe 0: Energieversorgung, z. B. Druckluftquelle, Wartungseinheit
1A1Steuerkette 1, Arbeitselement (Zylinder) Nummer 1
1V1, 1V2Ventile der Steuerkette 1: Stellglied, Drossel, UND/ODER-Ventile
1S1, 1S2Signalglieder der Steuerkette 1: Taster, Rollenventile, Sensoren

Diese Kennzeichnung findest du in vielen Lehrunterlagen und älteren Anlagen. Neuere Pläne nach ISO 1219-2 nutzen Kennbuchstaben nach IEC 81346, etwa -MM1 für einen Zylinder, -QM1 für ein Wegeventil und -BG1 für einen Positionssensor. Die Leseregeln bleiben gleich – schau in die Legende des Plans.

Kurz geprüft

7UND und ODER: zwei Signale verknüpfen

Mit dem Zweidruckventil fährt der Zylinder nur aus, wenn 1S1 und 1S2 betätigt sind. Das Wechselventil reicht ein Signal weiter, wenn 1S1 oder 1S2 betätigt ist. 1S2 hat hier einen Hebel mit Raste (Zeichen rechts am Ventil): Er bleibt stehen, bis du ihn zurücklegst – so kannst du beide gleichzeitig ausprobieren.

Eine echte Zweihandschaltung an Pressen ist eine Schutzeinrichtung nach EN ISO 13851: Beide Taster müssen innerhalb von höchstens 0,5 s gedrückt und gehalten werden, Loslassen stoppt die Bewegung, und neu starten geht erst, wenn beide Taster losgelassen wurden. Ein einfaches Zweidruckventil kann das nicht – es schaltet z. B. auch, wenn ein Taster festgeklemmt ist. Dafür gibt es geprüfte Zweihand-Steuerblöcke.

8Lesestrategie

  1. Zylinder finden: Was soll sich bewegen? Ganz oben stehen die Arbeitsglieder.
  2. Stellglied zuordnen: Welches Wegeventil versorgt welchen Zylinderanschluss (2 und 4)?
  3. Ausgangsstellung lesen: Welche Kästchen hängen an den Leitungen? Wo steht jetzt Druck an?
  4. Signale verfolgen: Welche gestrichelte Steuerleitung führt zu 12 oder 14? Welches Signalglied steckt dahinter?
  5. Einen Schritt spielen: „Ich drücke 1S1“ – welches Kästchen schiebt sich wohin, wohin fließt die Luft, was entlüftet?
  6. Rollenventile beachten: Wo sitzen die Nocken am Zylinder? Sie lösen den nächsten Schritt aus.

Mehr Pneumatik: Pneumatik & Hydraulik · Pneumatik-Labor · Wissenscheck · Selbst verschlauchen: Pneumatik stecken · mit Strom gesteuert: Elektropneumatik · Vergleich mit Elektro: Schaltplan lesen