Rookie bis Profi · Toleranzen, die zusammenpassen

Passungen-Lernweg.
Von H7/g6 bis zur Messentscheidung.

Was Ø20 H7/g6 wirklich heißt: Buchstabe und Zahl, Abmaße aus der Tabelle, Grenzmaße, Spiel oder Übermaß – maßstäblich im Toleranzfeld-Schaubild. Danach die Praxis: Passung zur Anwendung wählen, Istmaße beurteilen, Messmittel passend zur Toleranz.

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Dein Weg

Das Schaubild zu jeder Aufgabe zeigt die Felder maßstäblich – daran kannst du jede Rechnung nachprüfen. Werte in µm, Grenzmaße in mm.

Rookie

Die Bezeichnung lesen

Ø20 H7/g6 steckt voller Information: Nennmaß, Lage und Breite der Toleranzfelder von Bohrung und Welle. Hier lernst du, sie in Zahlen zu übersetzen.

Ausprobieren

Nennmaß, Bohrungs- und Wellenklasse wählen – das Schaubild zeigt die Felder maßstäblich in µm, die Abmaße, die Grenzmaße und die Passungsart.

Verstehen · Rookie

Nennmaß, Abmaß, Grenzmaß

Das Nennmaß steht auf der Zeichnung (Ø20). Kein Teil ist genau 20,000 – darum gibt es ein oberes und ein unteres Abmaß in µm, bei der Bohrung ES/EI (groß), bei der Welle es/ei (klein). Nennmaß + Abmaß = Grenzmaß: Höchstmaß und Mindestmaß. Ihr Unterschied ist die Toleranz T.

1 µm = 0,001 mm. ES = +21 µm heißt: Höchstmaß 20,021 mm.

Die Toleranzklasse lesen

H7: Der Buchstabe sagt, wo das Toleranzfeld zur Nulllinie liegt (das Grundabmaß). Die Zahl ist der Toleranzgrad IT – wie breit das Feld ist. Großbuchstaben für Bohrungen, Kleinbuchstaben für Wellen.

  • H: EI = 0, Feld über der Nulllinie. h: es = 0, Feld darunter.
  • a–g / A–G: unter bzw. über der Nulllinie mit Abstand (Spiel).
  • k–s: Welle über der Nulllinie (Übergang, Übermaß); K–P: Bohrung um bzw. unter der Nulllinie.
  • js / JS: symmetrisch ± IT/2.

Grundtoleranzen IT

Die Breite des Feldes hängt vom Grad und vom Nennmaß ab: IT7 bei 20 mm sind 21 µm, bei 50 mm 25 µm, bei 100 mm 35 µm. Grobe Grade (IT12 und gröber) für Rohteile und freie Maße, IT5–IT11 für Passungen (meist IT6–IT8, grob z. B. H11/d11), IT4 und feiner für Lehren und Endmaße. Die Tabellen stehen unter „Nachschlagen“.

Allgemeintoleranzen

Maße ohne eigene Toleranz bekommen sie aus der Allgemeintoleranz im Schriftfeld, z. B. ISO 2768-m: über 6 bis 30 mm ±0,2, über 30 bis 120 mm ±0,3. Die Klassen f (fein), m (mittel), c (grob), v (sehr grob) unterscheiden sich in der Größe der Abmaße. Für Passmaße reicht das nie – die bekommen eine Toleranzklasse.

Aufgaben · Rookie

Acht Aufgaben: Bohrung oder Welle, Buchstabe und Zahl, IT-Tabelle, Abmaße, Grenzmaße, Feld h, Allgemeintoleranz.

Fortgeschritten

Spiel, Übergang, Übermaß

Zwei Toleranzfelder, eine Passung: Welche Maßpaare können zusammentreffen, und was bedeutet das für Montage und Funktion?

Ausprobieren

Vergleiche H7/g6, H7/k6 und H7/p6 bei 20 mm – und dann bei 100 mm. Wie ändern sich Spiel und Übermaß?

Verstehen · Fortgeschritten

Spiel, Übergang, Übermaß

Eine Passung ist das Zusammenspiel von Bohrung und Welle mit demselben Nennmaß. Spiel = Bohrung − Welle (positiv), Übermaß = Welle − Bohrung.

  • Höchstspiel = größte Bohrung − kleinste Welle
  • Mindestspiel = kleinste Bohrung − größte Welle
  • Mindestspiel ≥ 0 → Spielpassung; Höchstspiel ≤ 0 → Übermaßpassung; sonst Übergangspassung.

Die Passtoleranz (Höchstspiel − Mindestspiel) ist die Summe beider Toleranzen.

Einheitsbohrung und Einheitswelle

System Einheitsbohrung: Die Bohrung ist immer H, die Welle bestimmt die Passung (H7/g6, H7/k6, H7/p6). Bohrungen brauchen feste Werkzeuge (Reibahle, Lehrdorn) – ein Satz reicht. System Einheitswelle: Welle immer h, die Bohrung bestimmt (G7/h6, K7/h6) – sinnvoll, wenn auf einer glatten Welle mehrere Teile verschieden sitzen sollen.

Passungen in der Praxis

PassungArtBeispiel
H11/d11, H11/c11Spiel, weitScharniere, Bolzen, Landmaschinen
H8/f7, H8/e8Spiel, mittelGleitlager, Laufsitze, Kolben
H7/g6Spiel, eng (enger Laufsitz)Führungen, genaue Gleitlager
H7/h6Spiel, Mindestspiel 0 (Gleitsitz)zentrierende Teile, Zentrierbunde
H7/js6, H7/k6ÜbergangZahnräder, Riemenscheiben mit Passfeder
H7/m6, H7/n6Übergang bis festKupplungen, feste Naben
H7/p6, H7/r6ÜbermaßBuchsen, Lagerringe eingepresst
H7/s6Übermaß, festZahnkränze, Schrumpfverbindungen

Das Toleranzfeld-Schaubild

Im Schaubild oben siehst du die Felder maßstäblich in µm: Liegt das Wellenfeld ganz unter dem Bohrungsfeld, ist es eine Spielpassung; überlappen sie, eine Übergangspassung; liegt die Welle ganz darüber, eine Übermaßpassung. Probiere H7 mit g6, k6, p6 – und dann dasselbe bei 100 mm.

Aufgaben · Fortgeschritten

Acht Aufgaben: Höchst- und Mindestspiel, Passungsarten, Übermaß, Einheitsbohrung, Passung zur Anwendung, H8/f7, Grenzfall H7/h6.

Profi

Messentscheidung und Montage

Istwerte gegen Grenzmaße beurteilen, das passende Messmittel wählen, Lehren verstehen, Presspassungen schonend montieren.

Verstehen · Profi

Messentscheidung

Beurteilt wird immer gegen die Grenzmaße, nie gegen das Nennmaß: Eine g6-Welle muss unter 20,000 liegen – das ist kein Fehler, das ist das Spiel. Der Istwert ist IO, wenn er zwischen Mindest- und Höchstmaß liegt. Nahe an der Grenze entscheidet die Messunsicherheit: Beim digitalen Messschieber (Fehlergrenze ±0,02 mm) kann „20,02“ auch 20,04 sein.

Messmittel nach Toleranz

Faustregel: Messunsicherheit bzw. Fehlergrenze des Messmittels – nicht seine Anzeige – höchstens ein Zehntel der Toleranz. Bei Ø20: IT6 (13 µm) → Bügelmessschraube 0,001 oder Grenzlehre; IT9 (52 µm) → Bügelmessschraube 0,001 oder Feinzeiger; IT11 (130 µm) → Bügelmessschraube 0,01; ab etwa 0,3 mm Toleranz → digitaler Messschieber 0,01 – seine Fehlergrenze (typisch ±0,02 bis ±0,03 mm) zählt, nicht die Anzeige; ±0,3 und gröber → Messschieber 0,05. Faustregel, keine Norm. Grenzlehren (Lehrdorn, Rachenlehre) entscheiden nur IO/NIO: Gutseite = Mindestmaß der Bohrung bzw. Höchstmaß der Welle, Ausschussseite = die andere Grenze.

Presspassungen montieren

Übermaß heißt: Die Welle passt kalt nicht hinein. Montage mit der Presse (Einpressen, mit Fase und Öl) oder thermisch: Nabe erwärmen (Induktionsanwärmer oder Ofen, keine offene Flamme) bzw. Welle kühlen – immer mit Hitze- bzw. Kälteschutzhandschuhen, beim Kühlen auch mit Schutzbrille. Stahl dehnt sich um rund 11,5 µm je Meter und Kelvin. Ø60 bei +100 K: 0,069 mm weiter. Nie mit dem Hammer: Der beschädigt Sitz und Lager und verdirbt den Rundlauf.

Nacharbeit oder Ausschuss

Welle zu groß, Bohrung zu klein: zu viel Material – nacharbeitbar. Welle zu klein, Bohrung zu groß: zu wenig Material – meist Ausschuss. Darum zielt man beim Fertigen auf die Mitte des Feldes oder etwas zur sicheren Seite (Welle eher groß, Bohrung eher klein) und misst zwischendurch. Prüfprotokoll und IO/NIO übst du in Messen & Prüfen.

Aufgaben · Profi

Acht Aufgaben: Welle und Bohrung beurteilen, Grenzlehrdorn, tatsächliches Spiel, Schrumpfsitz, H7/s6, Messmittel nach Toleranzgrad, Nacharbeit.

Nachschlagen

Die Tabellen hinter allen Aufgaben – Lernauszug aus ISO 286-1 und ISO 2768-1 bis 180 mm.

Weiter damit

Lernauszug: Grundtoleranzen IT5–IT13 und Grundabmaße der gängigen Klassen d–s und D–P bis 180 mm nach ISO 286-1; Allgemeintoleranzen nach ISO 2768-1. Für andere Klassen, größere Nennmaße und verbindliche Werte gilt die Norm bzw. das Tabellenbuch.