Formel verstehen
- Lage der neutralen Faser (k nach DIN 6935)r + k · s/2
- Bogenlänge bei Biegewinkel α = 180° − βlB = π · (r + k · s/2) · α/180°
- (a) Gerade Stücke plus BogenL = l1 + l2 + lB
- (b) Außenmaße plus AusgleichswertL = a + b + v
Die zweite Zeile gilt nach DIN 6935 für 0° ≤ β ≤ 90°. Für 90° < β ≤ 165° wird der hintere Teil mit tan((180° − β)/2) multipliziert, über 165° ist v ≈ 0. Der Korrekturfaktor k ist eine Näherung aus dem Tabellenbuch.
Woher kommt v – und welches Vorzeichen hat es?
In den Außenmaßen a und b steckt bis zum Schnittpunkt der Außenkanten je ein Stück „zu viel“ – bei 90° genau r + s, bei stumpfen Winkeln (r + s) · tan((180° − β)/2). Dafür fehlt der Bogen der neutralen Faser. Bei 90° und stumpfen Winkeln ist v deshalb kleiner als null – der Zuschnitt ist also kürzer als a + b.
Bei spitzen Öffnungswinkeln (β deutlich unter 90°) kann v positiv werden – besonders bei größeren Radien. Die Außenmaße reichen dann nur bis zum äußersten Punkt der Biegung (Tangente rechtwinklig zum Schenkel), und der Bogen ist länger als 2 · (r + s).
Manche Tabellenbücher schreiben für 90° L = a + b − v und geben v als positive Zahl an. Gemeint ist dasselbe. Manche Bücher schreiben die Faserlage auch als r + x · s mit x = k/2 (bei großen Radien 0,5).
Lernmodell: Kaltbiegen von Stahlblech und Flachstahl nach DIN 6935, Korrekturfaktor als Näherung, ohne Rückfederung. Beim ersten Teil Probe biegen und nachmessen.