Sicherheit · Lernkapitel

Erste Hilfe
richtig reagieren im Notfall

Selbstschutz, Notruf 144, Herzdruckmassage und Defi – und was bei Stromunfall, Blutung, Verbrennung, Augenverletzung oder Hochdruckverletzung zu tun ist.

Meine Favoriten

Fachlicher Stand: aktuelle Reanimationsleitlinien des Europäischen Wiederbelebungsrats (ERC) und österreichische Vorgaben für den Betrieb (Arbeitsstättenverordnung, ArbeitnehmerInnenschutzgesetz). Was in deinem Betrieb gilt, erklären dir deine Ausbilderin oder dein Ausbilder und die Ersthelfer:innen.

Abschnitt 1 · Rookie

Selbstschutz, Notruf & Rettungskette

Erste Hilfe beginnt im Kopf: Erst schaust du, dass dir selbst nichts passiert, dann holst du Hilfe – und dann hilfst du. Helfen ist in Österreich Pflicht, soweit es dir zumutbar ist.

1AbsichernSelbstschutz2Notruf 144Hilfe holen3Erste Hilfebis Rettung da ist4Rettungsdienstübernimmt5KrankenhausBehandlungDas bist duJedes Glied zählt – reißt eines ab, kommt Hilfe zu spät.1AbsichernSelbstschutz2Notruf 144Hilfe holen3Erste Hilfebis Rettung da ist4Rettungsdienstübernimmt5KrankenhausBehandlungdu
Die Rettungskette: Jedes Glied zählt. Die ersten drei liegen bei dir.

Worum geht es?

Die Rettungskette zeigt, wie Hilfe zur verletzten Person kommt. Die ersten drei Glieder – absichern, Notruf, Erste Hilfe – liegen bei dir und den Menschen vor Ort. Der Rettungsdienst braucht Minuten, bis er da ist; diese Zeit überbrückst du.

Helfen ist Pflicht

Wer bei einem Unfall nicht hilft, obwohl Hilfe offensichtlich nötig und zumutbar ist, macht sich strafbar (§ 95 Strafgesetzbuch). Zumutbar heißt: Du musst dich nicht selbst in Gefahr für Leib oder Leben bringen – etwa durch Strom, Feuer oder Gas. Notruf wählen und bei der Person bleiben ist aber fast immer möglich. Der größte Fehler ist, gar nichts zu tun.

So gehst du vor

  1. Stopp – Überblick verschaffen: Was ist passiert? Gibt es noch Gefahr durch Strom, laufende Maschinen, Verkehr, Feuer, Gas oder Chemikalien?
  2. Absichern und Selbstschutz: Maschine stoppen, Gefahrenbereich nicht ungeschützt betreten, Einmalhandschuhe anziehen. Im Straßenverkehr Warnweste und Warndreieck.
  3. Laut um Hilfe rufen und die Ersthelferin oder den Ersthelfer des Betriebs holen lassen.
  4. Notruf 144 wählen (lassen) und die Fragen beantworten: Wo ist der Notfall? Was ist passiert? Wie viele Verletzte? Wer ruft an – mit Rückrufnummer. Nicht auflegen: Die Leitstelle stellt Fragen, leitet dich an und beendet das Gespräch.
  5. Erste Hilfe leisten und bei der Person bleiben, bis die Rettung übernimmt. Eine weitere Person wartet beim Tor oder Eingang und weist die Rettung ein.

Notrufnummern in Österreich

144RettungVerletzt, bewusstlos, Atemnot, starke Schmerzen – im Zweifel immer 144.
122FeuerwehrBrand, Rauch, eingeklemmte Personen, Gefahrstoff ausgetreten.
133PolizeiVerkehrsunfall mit Gefahr, Gewalt, Straftat.
112Euro-NotrufFunktioniert in ganz Europa und wird an die passende Stelle weitergeleitet.
140BergrettungNotfälle im alpinen Gelände.
141ÄrztenotdienstDringend, aber nicht lebensbedrohlich, außerhalb der Ordinationszeiten. In vielen Bundesländern landest du damit bei 1450.
1450GesundheitsberatungRat rund um die Uhr, wenn du unsicher bist, wohin du gehen sollst. Vermittelt auch den Ärztenotdienst.
01 406 43 43Vergiftungs­informations­zentraleRund um die Uhr Rat bei Vergiftungen. Bei Lebensgefahr zuerst 144.

Merke: Diese Seite löst keinen Notruf aus. Im Ernstfall greifst du zum Telefon – Handy auf Lautsprecher, dann hast du die Hände frei.

Typischer Fehler: Alle schauen zu, niemand ruft an – jede und jeder glaubt, jemand anderer hat schon angerufen. Sprich eine Person direkt an: „Du in der blauen Jacke, ruf 144!“

Kontrollfrage: Welche vier Fragen solltest du beim Notruf beantworten können?

Wo ist der Notfall (Adresse, Halle, Tor)? Was ist passiert? Wie viele Verletzte gibt es? Wer ruft an – mit Rückrufnummer. Danach nicht auflegen: Die Leitstelle stellt weitere Fragen und beendet das Gespräch.

Abschnitt 2 · Rookie

Bewusstsein & Atmung prüfen, stabile Seitenlage

Bei jeder Person, die nach einem Unfall oder Zusammenbruch am Boden liegt, prüfst du zuerst Bewusstsein und Atmung. Das dauert weniger als eine halbe Minute und entscheidet, was als Nächstes zu tun ist.

Worum geht es?

Liegt jemand am Boden, stellst du zwei Fragen: Reagiert die Person? und Atmet sie normal? Davon hängt alles Weitere ab.

Eine bewusstlose Person kann ersticken, weil die erschlaffte Zunge oder Erbrochenes die Atemwege verlegt. Reagiert die Person nicht oder kaum, atmet aber normal, und ist kein Unfall die Ursache (z. B. ein Zusammenbruch), hält die stabile Seitenlage die Atemwege frei. Nach einem schweren Unfall gilt etwas anderes – siehe „So gehst du vor“. Wer nicht normal atmet – also gar nicht, nur selten oder schnappend („Schnappatmung“) –, hat sehr wahrscheinlich einen Herz-Kreislauf-Stillstand.

Stabile Seitenlage in Kürze

  • Neben der Person knien, den nahen Arm angewinkelt nach oben legen.
  • Den fernen Arm über die Brust holen, Handrücken an die Wange der Person legen und dort halten.
  • Das ferne Bein am Knie aufstellen und die Person am Knie zu dir drehen.
  • Oberes Bein so legen, dass Hüfte und Knie etwa rechtwinkelig gebeugt sind.
  • Kopf vorsichtig nackenwärts überstrecken, Mund zeigt leicht nach unten, damit Flüssigkeit abrinnen kann.

So gehst du vor

  1. Bewusstsein prüfen: laut ansprechen („Hallo, hören Sie mich?“) und sanft an den Schultern rütteln.
  2. Keine Reaktion: laut um Hilfe rufen, Notruf 144 wählen (lassen) und einen Defi holen lassen.
  3. Atemwege freimachen: Person auf den Rücken drehen, Kopf vorsichtig nackenwärts überstrecken und das Kinn anheben.
  4. Atmung prüfen – höchstens 10 Sekunden: sehen (hebt sich der Brustkorb?), hören, an der Wange fühlen.
  5. Normale Atmung, kein Unfall als Ursache: stabile Seitenlage, zudecken (Rettungsdecke, Jacke) und von unten gegen Bodenkälte schützen. Atmung laufend kontrollieren und die Person nicht allein lassen.
  6. Normale Atmung nach einem schweren Unfall: Person möglichst wenig bewegen, Atmung und Atemweg fortlaufend prüfen, Notruf 144. Liegt die Person auf dem Rücken und atmet normal, lässt du sie dort liegen. Kann der Atemweg sonst nicht freigehalten werden, hat das Freihalten Vorrang.
  7. Keine normale Atmung oder du bist unsicher: sofort mit der Herzdruckmassage beginnen (nächster Abschnitt).

Merke: Setzt bei einer Person in stabiler Seitenlage die normale Atmung aus, drehst du sie auf den Rücken und beginnst sofort mit der Herzdruckmassage.

Typischer Fehler: Schnappatmung – einzelne, seltene, schnappende Atemzüge – für normale Atmung zu halten. Sie ist ein Zeichen für einen Herz-Kreislauf-Stillstand: sofort drücken.

Kontrollfrage: Eine Person ist nach einem Zusammenbruch – ohne Unfall – nicht ansprechbar und atmet normal. Was tust du – und was danach laufend?

Notruf 144 (falls noch nicht geschehen), stabile Seitenlage, zudecken und gegen Bodenkälte schützen. Danach die Atmung laufend kontrollieren und die Person nicht allein lassen. Hört sie auf, normal zu atmen: auf den Rücken drehen und mit der Herzdruckmassage beginnen. Nach einem schweren Unfall dagegen: möglichst wenig bewegen, Atmung und Atemweg fortlaufend prüfen; liegt die Person auf dem Rücken und atmet normal, bleibt sie dort.

Abschnitt 3 · Rookie

Herz-Kreislauf-Stillstand: drücken & Defi

Keine Reaktion, keine normale Atmung: Jetzt zählt jede Sekunde. Herzdruckmassage und Defi kann jede und jeder – du kannst nichts schlimmer machen, nur besser.

30 : 230-mal drücken, 2-mal beatmen – oder ohne Pause nur drücken
100–120Drücke pro Minute – zügig, ohne lange Pausen
5–6 cmtief drücken, danach ganz entlasten
Defiholen lassen, einschalten, Anweisungen folgen

Worum geht es?

Steht das Herz still, bekommt das Gehirn keinen Sauerstoff mehr – nach wenigen Minuten entstehen bleibende Schäden. Bis die Rettung da ist, bist du die Pumpe. Jede Minute ohne Herzdruckmassage senkt die Überlebenschance deutlich.

BrustbeinMitte des Brustkorbs5–6 cmtief, senk-recht nachunten
Druckpunkt: Mitte des Brustkorbs, untere Hälfte des Brustbeins – senkrecht 5–6 cm tief drücken.

Ein Defibrillator (Defi, AED) erkennt selbst, ob ein Stromstoß nötig ist, und sagt dir jeden Schritt an. Du kannst damit nichts falsch machen. Standorte erkennst du am grünen Schild mit Herz und Blitz.

So gehst du vor

  1. Person liegt auf dem Rücken auf hartem Untergrund. Sofort drücken – dafür musst du den Oberkörper nicht freimachen. Frei machst du die Brust erst, wenn der Defi da ist.
  2. Handballen in die Mitte des Brustkorbs (untere Hälfte des Brustbeins), zweite Hand darauf, Arme gestreckt, Schultern senkrecht über dem Druckpunkt.
  3. Fest und schnell drücken: 5–6 cm tief, 100 bis 120 Mal pro Minute. Nach jedem Druck den Brustkorb ganz entlasten, die Hände bleiben aber auf dem Druckpunkt.
  4. Hast du Beatmung gelernt: 30-mal drücken, 2-mal beatmen. Kannst oder willst du nicht beatmen: ohne Pause nur drücken – das ist viel besser als nichts.
  5. Defi, sobald er da ist: einschalten und den Ansagen folgen. Elektroden auf die freie, trockene Brust kleben. Während der Analyse und beim Schock berührt niemand die Person. Danach sofort weiterdrücken.
  6. Nicht aufhören, bis der Rettungsdienst übernimmt, die Person wieder normal atmet oder du nicht mehr kannst. Seid ihr mehrere, wechselt ihr euch etwa alle 1 bis 2 Minuten ab – spätestens, wenn die Kraft nachlässt.

Die Leitstelle 144 kann am Telefon bleiben, dich anleiten und mit dir mitzählen (Telefon-Reanimation).

Typischer Fehler: Zu zaghaft drücken oder lange Pausen machen – aus Angst, eine Rippe zu brechen. Eine gebrochene Rippe heilt; ohne Herzdruckmassage überlebt die Person einen Herzstillstand nicht.

Kontrollfrage: Wie schnell und wie tief drückst du bei einer erwachsenen Person?

100 bis 120 Mal pro Minute, 5–6 cm tief, nach jedem Druck ganz entlasten. Mit Beatmung 30 : 2, sonst ohne Pause nur drücken – bis der Rettungsdienst übernimmt. Der Defi kommt dazu, sobald er da ist.

Abschnitt 4 · Rookie · Fortgeschritten

Stromunfall – erst Strom weg, dann helfen

Für Elektro-Lehrlinge besonders wichtig: Bei einem Stromunfall ist die größte Gefahr für dich als Helferin oder Helfer, selbst in den Stromkreis zu geraten. Und auch wenn es glimpflich aussieht, kann das Herz – selten, aber gefährlich – noch Stunden später aus dem Takt kommen.

Worum geht es?

Solange die verunfallte Person noch Teil des Stromkreises ist, wirst du beim Angreifen selbst durchströmt. Darum gilt immer: Erst Strom weg, dann helfen.

  • Strom durch den Körper kann das Herz aus dem Takt bringen (Kammerflimmern) – meist sofort, selten erst Stunden später.
  • Muskeln verkrampfen: Die Person kann den Leiter oft nicht loslassen.
  • Strommarken sind kleine Verbrennungen an der Ein- und Austrittsstelle. Innen können Muskeln und Gefäße viel stärker geschädigt sein, als es außen aussieht.
  • Ein Lichtbogen verursacht Verbrennungen und kann die Augen verblitzen.

So gehst du vor – Niederspannung

Niederspannung: bis 1000 V Wechselspannung bzw. 1500 V Gleichspannung – also Steckdosen, Maschinen und Verteiler in der Werkstatt.

  1. Nicht angreifen! Zuerst den Stromkreis unterbrechen: Stecker ziehen, Leitungsschutzschalter oder Sicherung ausschalten, Hauptschalter der Maschine aus.
  2. Ein Not-Halt stoppt gefährliche Bewegungen sofort – er schaltet aber nicht bei jeder Maschine alle Spannungen ab. Hauptschalter, Leitungsschutzschalter oder Stecker trennen sicherer.
  3. Nur wenn Abschalten unmöglich ist (Notlösung) – und nur bei sicher erkennbarer Niederspannung, ohne dich selbst zu gefährden: auf einem isolierenden Standort (trockenes Holz, Gummimatte) die Person mit einem trockenen, nichtleitenden Gegenstand (Holzlatte, Kunststoffrohr) vom Leiter wegbringen. Nie mit bloßen Händen, nie mit Metall oder nassen Gegenständen. Bei Nässe oder unklarer Spannung: Abstand halten, Notruf, auf die Abschaltung warten.
  4. Notruf 144, dann Bewusstsein und Atmung prüfen. Keine normale Atmung: Herzdruckmassage und Defi – der Defi ist auch nach einem Stromunfall richtig.
  5. Strommarken und Verbrennungen keimfrei abdecken.
Spannungstrichtermindestens 20 m vom Leiterwarten, 144 + 122Hochspannung: nie nähern – Schrittspannung!
Herabgefallene Hochspannungsleitung: Um die Stelle am Boden bildet sich ein Spannungstrichter. Mindestens 20 m Abstand halten, Bereich absperren, warten.

So gehst du vor – Hochspannung

Hochspannung: über 1000 V Wechselspannung bzw. 1500 V Gleichspannung – Freileitungen, Trafostationen, Bahn-Oberleitungen, Mittelspannungsanlagen im Betrieb.

  1. Nie nähern. Ein Lichtbogen kann auf Abstand überschlagen. Liegt eine Leitung am Boden, entsteht ein Spannungstrichter: Schon die Schrittspannung zwischen deinen Füßen kann tödlich sein.
  2. Bei einer herabgefallenen Hochspannungsleitung oder wenn ein Gegenstand sie berührt: mindestens 20 m Abstand (Schrittspannung), den Bereich absperren und andere fernhalten.
  3. Notruf 144 und Feuerwehr 122, Netzbetreiber bzw. Anlagenverantwortliche verständigen (lassen).
  4. Erst helfen, wenn Fachleute die Anlage freigeschaltet, geerdet und freigegeben haben.

Danach – bei jedem Stromunfall

  1. Immer ärztlich abklären lassen (EKG) – auch nach einem kurzen „Wischer“ und auch, wenn sich die Person gut fühlt. Herzrhythmusstörungen können – selten – noch Stunden später auftreten.
  2. Die betroffene Person nicht allein lassen und nicht selbst heimfahren lassen.
  3. Unfall melden: Ausbilderin oder Ausbilder bzw. Vorgesetzte verständigen. Die Anlage bleibt aus, bis eine Elektrofachkraft die Ursache geklärt hat.

Achtung: Bei einem Stromunfall ist Selbstschutz keine Feigheit, sondern die erste Erste-Hilfe-Maßnahme. Zwei Verletzte helfen niemandem.

Typischer Fehler: Nach einem „Wischer“ einfach weiterarbeiten, weil man sich gut fühlt. Auch ein kurzer Stromschlag gehört ärztlich abgeklärt und gemeldet.

Kontrollfrage: Ein Kollege hält ein defektes Verlängerungskabel fest und zuckt. Was ist dein erster Handgriff?

Ihn nicht angreifen, sondern den Stromkreis unterbrechen: Stecker ziehen oder Leitungsschutzschalter bzw. Sicherung ausschalten. Erst dann helfen: Notruf 144, Bewusstsein und Atmung prüfen, bei Bedarf Herzdruckmassage und Defi. Danach immer ärztliche Abklärung und Unfallmeldung.

Abschnitt 5 · Rookie

Blutungen & Schnittverletzungen

Bei einer starken Blutung ist fester Druck direkt auf die Wunde die wichtigste Maßnahme – und Einmalhandschuhe schützen dich selbst. Du drückst, bis die Rettung übernimmt.

Worum geht es?

Blech, Späne, Messer oder Glas: Schnittverletzungen sind in der Werkstatt häufig. Kleine Wunden hören meist von selbst auf zu bluten. Eine starke Blutung kann dagegen in wenigen Minuten lebensgefährlich werden – hier zählt sofortiger, fester Druck.

Kleine Wunden

  • Einmalhandschuhe anziehen, Wunde nicht mit den Fingern berühren.
  • Keimfrei abdecken (Wundschnellverband, Pflaster).
  • Fremdkörper wie Späne oder Glassplitter, die in der Wunde stecken, nicht herausziehen – umpolstern und ärztlich versorgen lassen.
  • Der Impfschutz gegen Wundstarrkrampf (Tetanus) sollte aktuell sein – bei Unklarheit ärztlich abklären.

Abgetrennte Körperteile

Nicht reinigen. In eine keimfreie Wundauflage oder ein sauberes Tuch wickeln, in einen Plastiksack geben und verschließen. Diesen Sack in einen zweiten Sack mit Wasser und Eis legen – das Körperteil darf nicht direkt mit Eis oder Wasser in Berührung kommen. Der Rettung mitgeben.

So gehst du vor – starke Blutung

  1. Notruf 144 wählen (lassen).
  2. Einmalhandschuhe anziehen, wenn welche da sind (Erste-Hilfe-Kasten) – sie schützen dich vor Infektionen.
  3. Sofort fest direkt auf die Wunde drücken – mit einer Wundauflage oder einem sauberen Tuch, im Notfall direkt. Die verletzte Person kann selbst mitdrücken.
  4. An Arm oder Bein einen Druckverband anlegen: Wundauflage, darauf ein Druckpolster (z. B. ein ungeöffnetes Verbandpäckchen), fest umwickeln. Blutet es durch, einen zweiten Druckverband darüber anlegen bzw. weiter fest mit der Hand draufdrücken.
  5. Person hinlegen, zudecken (warm halten), beruhigen und nicht allein lassen – starker Blutverlust kann zum Schock führen.
  6. Weiter drücken, bis die Rettung übernimmt.

Merke: Hochhalten allein stoppt keine starke Blutung – entscheidend ist der Druck. Hört es nicht auf zu bluten, drückst du weiter fest auf die Wunde und bleibst bei der Person, bis die Rettung da ist. Alles, was darüber hinausgeht, übernimmt die Rettung.

Typischer Fehler: Bei einer starken Blutung zuerst lange nach dem passenden Verbandmaterial suchen oder nur den Arm hochhalten, statt sofort zu drücken.

Kontrollfrage: Wie verpackst du einen abgetrennten Finger richtig?

Nicht reinigen. In eine keimfreie Wundauflage oder ein sauberes Tuch wickeln, in einen Plastiksack geben und verschließen. Diesen Sack in einen zweiten Sack mit Wasser und Eis legen – kein direkter Kontakt mit Eis. Mit der verletzten Person der Rettung mitgeben.

Abschnitt 6 · Rookie

Verbrennungen & Verbrühungen

Kleine Verbrennungen kühlst du sofort mit Wasser, große Flächen schützt du vor Auskühlung. Hausmittel haben auf einer Brandwunde nichts verloren.

Worum geht es?

Heiße Werkstücke, Lötkolben, Schweißperlen, heißes Öl oder Dampf: Die Haut speichert Hitze und „brennt nach“. Bei kleinen Flächen lindert Kühlen den Schmerz und verhindert tiefere Schäden. Bei großen Flächen droht dagegen Unterkühlung – dann steht Wärmeerhalt im Vordergrund.

Ab zur Ärztin oder zum Arzt, wenn …

  • sich Brandblasen bilden (Verbrennung 2. Grades),
  • an Gesicht, Händen, Füßen, Gelenken oder im Intimbereich Blasen entstehen oder die Haut tiefer verbrannt ist,
  • es eine Stromverbrennung oder Strommarke ist,
  • die Haut weiß, grau oder lederartig aussieht (tiefe Verbrennung).

Großflächige Verbrennungen oder Verbrennungen mit Atemnot (z. B. durch heiße Gase): sofort Notruf 144.

So gehst du vor

  1. Hitzequelle weg. Brennende Kleidung löschen: Person auf den Boden legen und wälzen oder mit einer Löschdecke ersticken.
  2. Kleine Flächen (z. B. Finger, Hand) sofort unter fließendem, kühlem – nicht eiskaltem – Leitungswasser kühlen, etwa 20 Minuten. Kein Eis und keine Kühlakkus direkt auf die Haut.
  3. Große Flächen nicht kühlen: Notruf 144, Person zudecken (Rettungsdecke) und vor Auskühlung schützen.
  4. Ringe, Uhr und Armbänder abnehmen, bevor es anschwillt. Kleidung, die an der Haut klebt, nicht abreißen.
  5. Keimfrei und locker abdecken (Brandwundenverband bzw. beschichtete Wundauflage). Brandblasen nicht öffnen.
  6. Keine Hausmittel: kein Mehl, Öl, Butter, Zahnpasta, Puder oder Salbe auf die Wunde.

Typischer Fehler: Eis oder Kühlspray direkt auf die Brandwunde – das schädigt das Gewebe zusätzlich. Ebenso Mehl, Butter oder Zahnpasta, die später mühsam aus der Wunde entfernt werden müssen.

Kontrollfrage: Du hast dich am Lötkolben an der Fingerkuppe verbrannt. Was machst du?

Sofort etwa 20 Minuten unter fließendem, kühlem (nicht eiskaltem) Wasser kühlen, dann keimfrei abdecken, eine Blase nicht öffnen und die Verletzung melden. Bildet sich an der Hand eine Blase oder sieht die Haut weiß oder grau aus: ärztlich versorgen lassen. Eine kleine Rötung ohne Blase heilt meist von selbst.

Abschnitt 7 · Rookie

Augen: Fremdkörper, Spritzer, Verblitzen

Augen verzeihen wenig. Nicht reiben, richtig spülen und lieber einmal zu oft zur Augenärztin oder zum Augenarzt.

Worum geht es?

Späne, Schleifstaub, Spritzer von Kühlschmierstoff oder Reiniger, UV-Licht vom Schweißen: Augen sind in der Werkstatt besonders gefährdet. Die beste Erste Hilfe ist die Schutzbrille – trotzdem musst du wissen, was im Ernstfall zu tun ist.

  • Lose Fremdkörper (Staub, lose Späne) lassen sich meist ausspülen.
  • Festsitzende Fremdkörper (z. B. glühende Schleifpartikel, Metallsplitter) gehören immer zur Augenärztin oder zum Augenarzt.
  • Chemikalien – vor allem Laugen – dringen tief ein und schädigen das Auge weiter, auch wenn der Schmerz nachlässt.
  • Verblitzen (UV-Strahlung vom Lichtbogen): Die Beschwerden kommen oft erst Stunden später – Sandkorngefühl, Brennen, Tränen, Lichtscheu.

So gehst du vor

  1. Nicht reiben! Kontaktlinsen herausnehmen, wenn das leicht geht.
  2. Lose Fremdkörper: mit der Augenspülflasche oder sauberem Wasser ausspülen. Gelingt das nicht: zur Augenärztin oder zum Augenarzt.
  3. Festsitzender Fremdkörper: nicht selbst entfernen und nicht im Auge herumwischen. Beide Augen locker keimfrei abdecken (die Augen bewegen sich gemeinsam) und die Person führen; sofort augenärztlich oder im Krankenhaus versorgen lassen.
  4. Chemikalien: sofort mindestens 15 Minuten mit viel Wasser spülen – bei Laugen länger, am besten, bis die Rettung übernimmt. Augenlider dabei mit den Fingern auseinanderhalten, Kopf zur verletzten Seite neigen und von der Nase nach außen spülen, damit nichts ins gesunde Auge läuft. Eine Spülflasche reicht nur kurz – danach an der Augendusche oder mit Leitungswasser weiterspülen. Notruf 144.
  5. Sicherheitsdatenblatt (Abschnitt 4: Erste-Hilfe-Maßnahmen) oder das Gebinde mit Etikett mitgeben.
  6. Verblitzen: nicht reiben, Augen schonen, kühle feuchte Umschläge lindern. Zur Augenärztin oder zum Augenarzt.

Typischer Fehler: Nach einem Chemikalienspritzer nur kurz auswaschen, weil es „eh nicht mehr brennt“. Vor allem Laugen schädigen das Auge weiter – lange spülen und immer augenärztlich untersuchen lassen.

Kontrollfrage: Wie lange spülst du nach einem Spritzer Reiniger ins Auge?

Sofort mindestens 15 Minuten mit viel Wasser, Augenlider dabei auseinanderhalten, von der Nase nach außen spülen. Danach immer zur Augenärztin oder zum Augenarzt – Sicherheitsdatenblatt bzw. Gebinde mitnehmen.

Abschnitt 8 · Fortgeschritten

Verätzungen, Gefahrstoffe & Hochdruckverletzungen

Säuren, Laugen und Reiniger verätzen Haut und Schleimhäute. Und eine winzige Einstichstelle von einer Hydraulikleitung oder Fettpresse kann ein Notfall sein, der die Hand kosten kann.

So gehst du vor – Verätzung und Gefahrstoffe

  1. Selbstschutz: Schutzhandschuhe und Schutzbrille, den Stoff nicht selbst berühren.
  2. Durchtränkte Kleidung, Schuhe und Schmuck sofort ausziehen. Kleidung, die an der Haut klebt, nicht abreißen, sondern mitspülen.
  3. Haut lange mit viel Wasser spülen (Notdusche, Wasserhahn). Nicht neutralisieren – also keine Lauge auf Säure oder umgekehrt, das erzeugt zusätzlich Hitze.
  4. Verschluckt: Mund ausspülen, kein Erbrechen auslösen. Nur nach Anweisung der Leitstelle oder der Vergiftungsinformationszentrale (01 406 43 43) etwas zu trinken geben.
  5. Eingeatmet: Person nur an die frische Luft bringen, wenn das ohne Gefahr für dich geht. In Gruben, Schächte oder Behälter gehst du nie selbst hinein – auch nicht mit Staub- oder Filtermaske, denn dort kann Sauerstoff fehlen. Feuerwehr 122 rufen: Sie rettet mit Pressluftatmer.
  6. Sicherheitsdatenblatt und Gebinde mit Etikett der Rettung mitgeben.

Hochdruckinjektion – klein, aber ein Notfall

Aus einer undichten Hydraulikleitung, einer Fettpresse, einer Lackier- oder Spritzpistole oder einem Hochdruckreiniger kann ein feiner Strahl die Haut durchdringen. Außen sieht man oft nur einen kleinen Punkt, und es tut anfangs wenig weh. Innen verteilen sich Öl, Fett oder Farbe aber entlang von Sehnen und Gewebe. Ohne rasche Operation droht der Verlust des Fingers oder der Hand.

  1. Immer sofort ins Krankenhaus – mit dem Rettungsdienst 144, auch bei winziger Wunde. Nicht abwarten, ob es besser wird.
  2. Nicht ausdrücken, nicht abbinden. Wunde keimfrei abdecken, Hand ruhig halten.
  3. Sagen, was passiert ist („Hochdruckinjektion“), welcher Stoff und welcher Druck – Sicherheitsdatenblatt oder Produktname mitgeben.
  4. Unfall melden. Die Anlage drucklos machen und reparieren dürfen nur befugte Personen.

Typischer Fehler: Mit Druckluft Kleidung oder Haut abblasen oder eine undichte Hydraulikleitung mit der Hand „abtasten“. Leckstellen sucht man nie mit der Hand – und eine kleine Einstichstelle wird nicht mit einem Pflaster abgetan.

Kontrollfrage: Beim Abschmieren spritzt dir Fett aus der Fettpresse in die Fingerkuppe. Man sieht nur einen kleinen Punkt. Was tust du?

Das ist ein Notfall: sofort mit dem Rettungsdienst ins Krankenhaus, nicht abwarten. Sagen, dass es eine Hochdruckinjektion mit Fett war, und das Produkt bzw. Sicherheitsdatenblatt mitgeben. Nicht ausdrücken, nicht abbinden, Unfall melden.

Abschnitt 9 · Fortgeschritten · Profi

Erste Hilfe im Betrieb

Im Betrieb ist Erste Hilfe geregelt: ausgebildete Ersthelfer:innen, ein Erste-Hilfe-Kasten mit Aushang und klare Meldewege. Du solltest wissen, wo was ist – bevor etwas passiert.

Was der Betrieb regeln muss

  • Ersthelferinnen und Ersthelfer (Arbeitsstättenverordnung § 40): in Werkstätten und anderen Arbeitsstätten (außer Büros) bei bis zu 19 gleichzeitig Beschäftigten mindestens 1 Person, bei 20 bis 29 Beschäftigten 2 Personen, für je 10 weitere Beschäftigte 1 Person mehr (für Büros gilt eine eigene Staffel). Während der Arbeitszeit müssen genug Ersthelfer:innen anwesend sein.
  • Ausbildung: Erste-Hilfe-Kurs mit mindestens 16 Stunden (in Betrieben ab 5 Beschäftigten). Auffrischung spätestens alle 4 Jahre mit mindestens 8 Stunden – oder spätestens alle 2 Jahre mit mindestens 4 Stunden.
  • Erste-Hilfe-Kasten (§ 39): staubdicht, jederzeit vollständig und gebrauchsfertig, leicht erreichbar und gekennzeichnet (grünes Schild mit weißem Kreuz). Inhalt nach ÖNORM Z 1020 und passend zu den Gefahren – z. B. Augenspülflaschen und Brandwundenverband.
  • Aushang beim Kasten: Anleitung zur Ersten Hilfe, Namen der Ersthelfer:innen und die Notrufnummer. Ein funktionierendes Telefon muss leicht erreichbar sein.

So gehst du vor

  1. Vorher schauen: Wo hängen Erste-Hilfe-Kasten, Augendusche, Notdusche und Defi? Wer sind die Ersthelfer:innen?
  2. Jede Verletzung melden – auch eine kleine – sofort der Ausbilderin oder dem Ausbilder bzw. Vorgesetzten.
  3. Erste-Hilfe-Leistung aufschreiben: wer, wann, wo, was passiert ist, welche Hilfe geleistet wurde, Zeugen. Viele Betriebe haben dafür ein Erste-Hilfe-Buch oder ein Formular. So lässt sich später nachweisen, dass es ein Arbeitsunfall war.
  4. Unfallmeldung: Führt ein Arbeitsunfall zum Tod oder zu mehr als 3 Tagen (auch teilweiser) Arbeitsunfähigkeit, meldet der Betrieb ihn innerhalb von 5 Tagen der Unfallversicherung – für Lehrlinge in Betrieben meist die AUVA (§ 363 ASVG).
  5. Bei tödlichen oder schweren Unfällen verständigt der Arbeitgeber zusätzlich sofort das Arbeitsinspektorat. Aufzeichnungen über Unfälle mit mehr als 3 Kalendertagen Ausfall werden mindestens 5 Jahre aufbewahrt (§ 16 ASchG).
  6. Verbrauchtes Material melden, damit der Kasten gleich nachgefüllt wird.

Typischer Fehler: Eine kleine Verletzung nicht melden („ist eh nichts“). Entzündet sich die Wunde oder treten nach einem Stromschlag Beschwerden auf, fehlt später der Nachweis, dass es ein Arbeitsunfall war.

Kontrollfrage: Wie lange dauert die Grundausbildung für Ersthelfer:innen, und wie oft wird sie aufgefrischt?

Die Grundausbildung dauert mindestens 16 Stunden. Aufgefrischt wird spätestens alle 4 Jahre mit mindestens 8 Stunden oder spätestens alle 2 Jahre mit mindestens 4 Stunden.

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